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Gerodete tropische Torfgebiete als Klimakiller

Montag, 21. Dezember 2009 / 13:28 Uhr

Torfgebiete in den Tropen sind gigantische Kohlenstoffspeicher, die durch menschliches Zutun immer häufiger austrocknen. Wenn solche Moore dann zu brennen beginnen, werden gewaltige Mengen an CO2 frei.

Tropischer Wald.

Mittels lasergestützten Messungen konnte das Team um Florian Siegert vom GeoBio-Center der LMU-München jetzt das verbrannte Torfvolumen weitaus genauer bestimmen als dies bisher möglich war.

«Nur eine kleine Untermenge der tropischen Böden - etwa 30 bis 45 Mio. Hektar - sind solche Torfböden», so Siegert. «Dieser extrem saure Untergrund besteht aus einer bis zu 20 Meter dicken Torfschicht, deren Biomasse 20 mal höher ist als der im Wald selbst gespeicherte Kohlenstoff.» Die aktuellen Hochrechnungen zeigen, dass im Jahr 2006 durch Torffeuer in Indonesien bis zu 900 Mio. Tonnen CO2 freigesetzt wurden. Das ist mehr als die gesamten CO2-Emissionen Deutschlands im selben Jahr und entspricht etwa 16 Prozent aller Emissionen durch Entwaldung weltweit.

Entscheidende Rolle im Kontext der Klimaerwärmung

«Unsere Arbeit unterstreicht einmal mehr, welch entscheidende Rolle die hoch gefährdeten tropischen Torfökosysteme im Kontext der Klimaerwärmung spielen», meint der Experte. 2006 sei nicht das erste und einzige Mal gewesen, in dem solche Buschbrände zu Umweltkatastrophen geführt haben. 1997 haben die Brände die bisher schwersten Ausmasse angenommen. Betroffen waren die gesamte malaysische Halbinsel, die Städte Kuala Kumpur, Singapur und weite Teile von Borneo. Damals gab es wochenlang kein Sonnenlicht und Menschen konnten nur mit Schutzmasken auf die Strasse gehen.

«Während der El-Nino-Perioden, in denen die Trockenzeit bis zu vier Monate dauern kann, kommt es häufig zu solchen Bränden», erklärt der Forscher. «Unter natürlichen Bedingungen würde aber auch während einer solchen Trockenzeit der Boden nicht zu brennen beginnen.» Experten gehen davon aus, dass die Torfböden zunächst entwässert und anschliessend brandgerodet werden, um Platz für Palmöl- oder Papierholz-Plantagen zu schaffen.

13 bis 40 Prozent der gesamten Emissionen

«Diese Schwelbrände sind doppelt gefährlich, denn sie setzen im Rauch gigantische Mengen an Aerosolen und schädlichen Gasen frei, die in einigen Gebieten Südostasiens immer wieder massive Gesundheitsprobleme verursachen», erklärt Siegert. Zudem werde der gebundene Kohlenstoff in Form von CO2 abgegeben, also als Treibhausgas, das zur Erderwärmung beiträgt. «Das Problem verschärft sich dadurch, dass klimatisch bedingte Trockenperioden die Brennbarkeit des Torfes erhöhen.»

Während der El Niño-Trockenperiode von 1997/98 wurden bis zu 2,57 Gigatonnen Kohlenstoff freigesetzt. «Die Schätzungen schwanken hier erheblich. Man geht aber davon aus, dass das mindestens 13 Prozent, wenn nicht bis zu 40 Prozent der gesamten Emissionen durch das Verbrennen fossiler Energieträger in dieser Zeit entsprechen könnte», so Siegert.

Alleine der Kohlenstoffgehalt in den indonesischen Torfgebieten wird auf mehr als 50 Gigatonnen geschätzt. Sehr viele Studien bezüglich der Landnutzungsänderungen und des Klimawandels beziehen sich nur auf die Biomasse des Waldes. «Die jetzigen Ergebnisse zeigen aber einmal mehr, wie wichtig es ist, künftig auch die im Boden gespeicherte Biomasse in diese Modelle einzubeziehen», so der Forscher abschliessend.

 

(fkl/pte)


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